Ein kleiner persönlicher Oben-Ohne-Rückblick

The-Female-Company-Oben-Ohne-Shooting
© Linda Ambrosius

Diese Company, The Female Company, bricht Tabus. Sie inspiriert Mädchen und Frauen und bringt endlich Modernität und Transparenz in den Hygienemarkt! Es ist ein Unternehmen von Frauen für Frauen: gegründet von Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier, liefert es Bio-Periodenprodukte aus Bio-Baumwolle per Briefversand im Abo. Die Bio-Baumwolle wird ohne Chemikalien und Pestizide unter hohen sozialen und ökologischen Standards angebaut. Pro Kauf bei The Female Company wird eine Frau in Indien mit einer Stoffbinde versorgt. Im letzten Jahr leistete das Unternehmen mit dem aufsehenerregenden Projekt “The Tampon Book” einen maßgeblichen Beitrag zur Senkung der Periodensteuer, die nun endlich auf 7% minimiert wurde. Auch 2020 verfolgt The Female Company die Mission, mit kreativen Kampagnen schambehaftete Themen rund um den weiblichen Körper zu enttabuisieren und der Periodenarmut entgegenzuwirken.

Diese Idee und die damit verbundenen Aktionen gefielen mir, so dass ich mir auch ein Abo sicherte und Mitte Februar dann auf Facebook bei The Female Company folgenden Aufruf las:

ABONNENT*INNEN-SHOOTING: WE WANT YOU!⁠

Das machte mich neugierig, also schaute ich mal rein. Es wurden Busenmodels gesucht, ein Oben-Ohne-Shooting stand an. Intention des Shootings: Busen-Diversität und deren Schönheit zu zeigen. Instagram wimmelt nur so von Bildern oberkörperfreier Männer – was wir jedoch nie zu sehen kriegen: oberkörperfreie Frauen. Zumindest nicht ohne Nippelbedeckung. Denn: Weibliche Brüste verstoßen gegen Community-Richtlinien und werden zensiert. Die Folge sind falsche Schönheitsideale. Kein Wunder, dass 71 % der Frauen weltweit mit ihren Brüsten unzufrieden sind. Wie soll man auch etwas lieben, das man nie zu sehen bekommt?

Da ging mir sofort einiges durch den Kopf. Zum Einen: toll, als ältere Frau dabei zu sein und zeigen zu können, dass ein Busen mit plus 50 schön ist. Ich persönlich finde meinen Busen toll, weil er so groß und so weich ist. Dazu kommt, dass ein Busen eine enorme Spielfläche der Erotik und Sinnlichkeit ist und somit eine wichtige Rolle in der Sexualität spielt. Allerdings darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden, dass Brüste immer noch in sexistischer Art und Weise in Werbung und co. eingesetzt werden!

Zum anderen kam natürlich auch die Scham hoch, und die dazu gehörigen Gedanken, von denen auch ich mich nicht immer frei machen kann. Bin ich nicht zu alt dafür? Bin ich schön genug? Bin ich straff genug? Was sagen die Anderen? Nein! Nein! Nein! Nein! Nichts davon gilt. Denn, wo ich bin, ist es schön.

Also Bewerbung abgesandt und nach wenigen Tagen schon erhielt ich die Zusage. Aus über 200 Frauen wurden 17 ausgewählt. Ich gehörte dazu. Das hat mich sehr gefreut.

Am Samstag dem 29. Februar war es dann so weit. In einem Fotoatelier in Berlin-Kreuzberg wurde geshootet. Voller Spannung und Vorfreude, aber auch mit einer gewissen Portion Aufregung bin ich dort hingefahren. Wer und Was würden mir dort begegnen?

Die Tür geht auf, und eine wohlige, herzliche Atmosphäre empfängt mich. Diese wird durch die Begrüßung des anwesenden Teams sogleich fortgesetzt: Johanna (Influencer Marketing), Lucie (Projekt Managerin), Anja (Social Media Managerin), Amelie (PR Managerin) und Nikola (Visagistin) strahlen mich an.

Erstes Kennenlernen, erste Gespräche, Informationen, tolle Snacks und schon gibt es ein kleines Erfrischungs-Make-Up von Nikola und ein erstes Gespräch mit der Fotografin Linda Ambrosius. Linda nimmt mir die letzte Scheu, blank zu ziehen. Sie gehört zu diesen Fotografen*innen die professionell und empathisch Vertrauen zum Model aufbauen. Das tut gut und gibt mir die nötige Entspanntheit. Und dann ab vor die Kamera: Einzel- und Gruppenshooting folgen.

Zwischen den Shootings komme ich mit den anderen Frauen ins Gespräch, und ich bin begeistert. Was für ein toller Tag mit wunderschönen Frauen, wunderschönen Boobs, wunderbaren Gesprächen und Begegnungen. Ich kann hier nur wieder das allgemein gültige Vorurteil, dass junge Frauen nicht an älteren Frauen und umgekehrt interessiert sind, widerlegen. Dies wurde mir auch im Gespräch mit Ann-Sophie, einer der jungen Gründerinnen, gespiegelt. Ich habe den Austausch, mein Interesse an meinen Busengenossinnen und deren Interesse an meiner Person sehr genossen und bin sogar schon zum Frühstück in München zur Gesprächsfortsetzung eingeladen.

Ich sage also DANKE an Euch Alle, für den Mut und die Offenheit, zusammen mit fremden Frauen blank zu ziehen und für den unvergesslichen Tag, der daraus für mich entstanden ist.

Zum Schluss noch zwei Dinge:

Als Veranstaltungsmanagerin habe ich mir jahrelang gewünscht einmal in der “w&v werben und verkaufen” mit einem Event zu erscheinen. Es ist mir nicht gelungen. Welch lustige Ironie: mit meinem Busen habe ich es nun endlich geschafft.

Und zu guter Letzt eine Anregung:

Liebe The Female Company, bezieht doch noch mehr Frauen plus 50 ein. Wir sind eine große Community, und wir brauchen doch auch noch Tampons, Binden und Slipeinlagen. Wir sind offen und bereit für den Austausch mit Euch jungen Frauen. Gemeinsam mit Euch können wir sicher das immer noch gängige Bild der „unsichtbaren“ Frau plus 50 verändern. Und gemeinsam mit Euch können wir den weiteren Weg zur Gleichberechtigung gehen. Was haltet Ihr davon?

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